Pauschalen beim Kitakostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Gemeinden

Austausch zu allen Angelegenheiten, bei denen die Tr├Ągerschaft von Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Zentrum stehen.

Moderator: Detlef Diskowski

Hascheff
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Pauschalen beim Kitakostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Gemeinden

Beitragvon Hascheff » 25.11.2018, 07:26

Hallo in die Runde,

wie ich zuletzt hier:
viewtopic.php?f=47&t=696#p1982
schrieb, er├Âffne ich lieber einen neuen Thread f├╝r meine Frage.

Bevor ich dazu komme: Es geht um die auf die Eltern umlegbaren Kosten. Sie bilden die Berechnungsgrundlage f├╝r den H├Âchstbeitrag, differenziert nach Altersgruppe und Betreuungszeit. G├Ąbe es nur Einzelkinder von gut verdienenden Eltern, w├╝rde theoretisch der Elternbeitrag diese Kosten decken. Praktisch klappt das aus zwei Gr├╝nden nicht:
  • Da Eltern schnell klagen, wird der Tr├Ąger klugerweise nicht scharf an die Grenze gehen.
  • Die Beitr├Ąge sind sozial zu staffeln.
Nat├╝rlich bleibt der Tr├Ąger nicht auf den Kosten sitzen. Er holt sich einfach den so entstehenden Fehlbetrag von den Wohnortgemeinden der Kinder. Nein, warum einfach, wenn es auch umst├Ąndlich* geht: Er l├Ąsst sich das Geld von seiner Standortgemeinde geben und die holt es sich dann von den Wohnortgemeinden. (Im Zeitalter der EU-Datenschutz Grundverordnung sollte der Gesetzgeber dar├╝ber noch mal nachdenken.)

F├╝r diesen Kostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Wohnortgemeinde taucht jetzt hier
viewtopic.php?f=47&t=696#p1974
der Begriff Pauschale auf.
Detlef Diskowski hat geschrieben:- Wenn die Kostenausgleiche innerhalb des Amtes, innerhalb eines Jugendamtes... als Pauschalen vereinbart werden (was sinnvoll und arbeitserleichternd ist),

Dass Pauschalen die Verwaltung erleichtern, w├╝rde ich im Computerzeitalter in Frage stellen.

Wichtiger ist: Im Gegensatz zum Elternbeitrag soll die Erstattung der Wohnortgemeinde kostendeckend sein. Durch Pauschalierung entstehen immer Verschiebungen, ein Tr├Ąger erh├Ąlt mehr, ein anderer weniger, oder eine Wohnortgemeinde zahlt mehr, eine andere weniger als ohne Pauschalierung.
Nun ist die Frage, was hier pauschaliert werden soll.
  • Eine Pauschale ├╝ber alle Altersstufen w├╝rde eindeutig die Einrichtungen mit angeschlossenem Hort bervorteilen und w├Ąre IMHO klar gesetzwidrig.
  • eine Pauschale (je Altersstufe und Betreuungszeitstufe) ├╝ber alle Tr├Ąger w├╝rde kosteng├╝nstige Einrichtungen bevorteilen. Diese w├╝rden Gewinn erzielen, andere dann nat├╝rlich Verlust. Verluste w├╝rden aus einem anderen Topf der Standortgemeinde ausgeglichen, Gewinn bleibt dem Tr├Ąger, was juristisch unzul├Ąssig ist.
  • Eine Pauschale (man kann es auch einfach Durchschnitt nennen) f├╝r alle Kinder einer Altersstufe, einer Betreuungszeitstufe, eines Tr├Ągers h├Ątte diesen Makel nicht. Es ist auch unwahrscheinlich, dass f├╝r einzelne Wohnortgemeinden gr├Â├čere Differenzen im Vergleich zur genauen Abrechnung auftreten.
Trotzdem lohnt es sich, den letzten Punkt genauer zu betrachten.
Was bringt Eltern dazu, ihr Wunsch- und Wahlrecht in Anspruch zu nehmen und damit Transaktionen auszul├Âsen? Sind die sozialen Effekte erw├╝nscht? Ich sehe folgende Gr├╝nde:
  • Ein Kind einer Familie besucht den Hort im gr├Â├čeren Nachbardorf und das j├╝ngere Geschwisterkind soll die gleiche Einrichtung besuchen.
    Das wird selten vorkommen. (Bei Zuz├╝glern oder bei erheblicher Altersdifferenz) Man kann es auch kaum beeinflussen. Gegen die finanzielle Schieflage sehe ich nur eine L├Âsung: Zusammenschluss der Kommunen.
  • Die Elternbeitr├Ąge sind (wegen der Kostenstruktur) unterschiedlich. Das betrifft vor allem gut verdienende Eltern.
  • Die p├Ądagogische Situation in der Wohnortkita ist unbefriedigend. (Soll ja vorkommen, ob real oder eingebildet, ist dabei unerheblich.) Nun reagieren da Eltern je nach sozialer Situation unterschiedlich: Arbeitslose behalten ihr Kind vielleicht zu Hause, gut verdienende Eltern fahren ihr Kind in den Nachbarort, der vielleicht ohnehin am Weg zur Arbeit liegt.
  • Am Wohnort werden zu wenig Pl├Ątze angeboten. Arbeitslose behalten ihr Kind bis zur Bereitstellung eines Platzes zu Hause, gut verdienende Eltern fahren ihr Kind in den Nachbarort, sie k├Ânnen nicht warten.
Wenn in erster Linie gut verdienende Eltern das Wunsch- und Wahlrecht in Anspruch nehmen, bedeutet das, dass eine Pauschale die Wohnortgemeinde benachteiligt: Die Pauschale ist unabh├Ąngig vom Einkommen, die eigene Einrichtung wird vor allem von Wenigzahlern besucht.
F├╝r Lokalpolitiker hei├čt das, Sie sollten an einem quantitativ und qualitativ guten Angebot von Pl├Ątzen interessiert sein. (Erzieher k├Ânnen sie allerdings nicht backen, da sind die Landespolitiker gefordert.)

Jetzt meine Frage: Sehe ich das richtig?

* Skuril wird die Situation, wenn das Amt Tr├Ąger einer Einrichtung ist und die Wohnortgemeinde auch zum Amt geh├Ârt. Ein Nicht-Buchhalter kann sich das vielleicht nicht vorstellen, aber in einem kleinen Amt muss vielleicht ein und die selbe Sachbearbeiterin dann zun├Ąchst
  • f├╝r das Amt eine Rechnung an die Standortgemeinde erstellen (als Beleg eine Liste mit allen Kindern**),
  • f├╝r das Amt Rechnungen an die Wohnortgemeinden (wieder mit Listen)
  • f├╝r die Wohnortgemeinden Zahlungen an die Standortgemeinde zu buchen,
  • f├╝r die Standortgemeinde eine Zahlung an das Amt zu buchen.

** IMHO geh├Âren in die Liste streng genommen auch die Kinder der Standortgemeinde, das Amt ist hier mit einem freien Tr├Ąger vergleichbar.

Freundliche Gr├╝├če
Hascheff

Janamike

Re: Pauschalen beim Kitakostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Gemeinden

Beitragvon Janamike » 17.01.2019, 12:13

Hallo,

die buchhalterische Rechnung w├╝rde ich so sehen.

BG

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Detlef Diskowski
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Re: Pauschalen beim Kitakostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Gemeinden

Beitragvon Detlef Diskowski » 24.01.2019, 12:14

Hascheff hat geschrieben:Dass Pauschalen die Verwaltung erleichtern, w├╝rde ich im Computerzeitalter in Frage stellen.

Hallo Hascheff, Sie betrachten die aufkommenden Fragen zumeist als mathematische Probleme; darum geht es mir hier nicht. Pauschalen haben aus meiner Sicht den Sinn der Vereinfachung der Abstimmuingsprozesse. Wenn die Gemeinden eines Landkreises miteinander Pauschalen f├╝r die sechs Kostengruppen (3 Altersgruppen von Kindern x 2 Betreuungszeitenstufen) vereinbaren w├╝rden, er├╝brigt dies st├Ąndige neue Abstimmungen wenn ein Kind au├čerhalb der Wohnortgemeinde betreut wird.
Zur Ermittlung dieser zu vereinbarenden Pauschalen kann man dann prima das von Ihnen verschiedentlich vorgeschlagene Berechnungsverfahren nutzen.
Es gr├╝├čt freundlich
Detlef Diskowski

Hascheff
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Re: Pauschalen beim Kitakostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Gemeinden

Beitragvon Hascheff » 24.01.2019, 16:05

Hallo Herr Diskowski,
Ihrer Argumentation entnehme ich, dass Sie f├╝r die zweite Art der oben angef├╝hrten Pauschalen argumentieren. Ich wiederhole sie noch mal:
Hascheff hat geschrieben:Nun ist die Frage, was hier pauschaliert werden soll.
  • ...
  • eine Pauschale je Altersstufe und Betreuungszeitstufe ├╝ber alle Tr├Ąger w├╝rde kosteng├╝nstige Einrichtungen bevorteilen. Diese w├╝rden Gewinn erzielen, andere dann nat├╝rlich Verlust. Verluste w├╝rden aus einem anderen Topf der Standortgemeinde ausgeglichen, Gewinn bleibt dem Tr├Ąger, was juristisch unzul├Ąssig ist.
  • ...

Was sagen Sie dann zu den von mir ge├Ąu├čerten Bedenken?

Unterschiedlich kosteng├╝nstige Einrichtungen waren ja das Problem in dem Thread, aus dem ich das Thema entwickelte:
viewtopic.php?f=47&t=696#p1967

Die Kommune des TO hat eine kleine und auch deshalb teure Kita. Das Amt, zu dem die Kommune geh├Ârt, betreibt eine gr├Â├čere und kosteng├╝nstigere Einrichtung und will (im Namen der Wohnortkommunen) die hohen Kosten der kleinen Kita nicht decken.
F├╝r unterschiedliche H├Âhe des Kostenausgleichs nach ┬ž 16 (5) KitaG k├Ânnen noch andere Gr├╝nde als unterschiedliche Betriebskosten in Frage kommen, wie ├╝berdurchschnittlich viele kinderreiche oder geringverdienende Familien.

Pauschalen w├╝rden nach dem Durchschnitt berechnet. Das w├╝rde zwar den Streit vermeiden, aber da die kleine Kita dann Verlust macht, muss in der gro├čen Amtseinrichtung Gewinn entstehen. Eine Kita darf doch aber keinen Gewinn erzielen!
Um den Gewinn zu vermeiden, m├╝sste die Pauschale unter den Durchschnitt gesenkt werden, die Folge w├Ąre ein forciertes Kitasterben. Das kann landespolitisch nicht gewollt sein.

Nochmal: Im Computerzeitalter bedeutet der Verzicht auf Pauschalen nicht zwangsl├Ąufig einen h├Âheren Verwaltungsaufwand.

Freundliche Gr├╝├če
Hascheff

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Detlef Diskowski
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Re: Pauschalen beim Kitakostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Gemeinden

Beitragvon Detlef Diskowski » 24.01.2019, 18:06

Ich m├Âchte vermeiden, dass dies hier ein Zwiegespr├Ąch wird. Es f├╝hrt zu nichts, daher von mir aus abschlie├čend ...
Sehr geehrter Hascheff; dass Pauschalen nie ganz genau den Sachverhalt abbilden, liegt in der Natur der Sache. So ist das mit Pauschalen. Trotzdem einigen sich zuweilen Menschen darauf "alle F├╝nfe gerade sein zu lassen", weil sie im Z├Ąhlen der Korinthen letztlich wenig Sinn f├╝r alle sehen.
Ich p├Ądiere f├╝r die Pauschalen, in der Hoffnung, dass sich alles letzlich ausgleicht und Sie m├Âchten jeweils f├╝r jede Kita und jedes Kind einzeln den Kostensatz berechnen ... und der muss dann in jedem Einzelfall ausverhandelt werden.
Das ist eher eine Haltungsfrage als eine der Gerechtigkeit......
Es gr├╝├čt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Pauschalen beim Kitakostenausgleich zwischen Tr├Ąger und Gemeinden

Beitragvon Hascheff » 27.01.2019, 01:29

Es liegt in der Natur der Pauschale, dass sich nicht alles ausgleicht. Wenn schon Pauschale, dann Nr. 3, die ist legal, da sie sich f├╝r den Tr├Ąger der Einrichtung ausgleicht.
Eine Pauschale (man kann es auch einfach Durchschnitt nennen) f├╝r alle Kinder einer Altersstufe, einer Betreuungszeitstufe, eines Tr├Ągers h├Ątte diesen Makel nicht. Es ist auch unwahrscheinlich, dass f├╝r einzelne Wohnortgemeinden gr├Â├čere Differenzen im Vergleich zur genauen Abrechnung auftreten.

Und es muss nichts ausverhandelt werden. Und ich behaupte, ohne Pauschale ist einfacher als alle Pauschalen. So einfach, dass es hier in zwei Zeilen erkl├Ąrt werden kann:
Der Tr├Ąger muss der Rechnung an die Wohnortgemeinde ohnehin eine Anlage mit einer Liste aller Kinder anf├╝gen. Der Liste werden drei Spalten angef├╝gt: Platzkosten | Elternbeitrag | Differenz. Der Rechnungsbetrag ist die Summe der Differenzen.

Das Ganze w├Ąre nur aufwendig, wenn man es selbst rechnen m├╝sste. Das Berechnen einer Pauschale ist wohl aufwendiger.


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