Kinder mit förderbedarf

Das Forum zu pĂ€dagogischen Fachthemen bietet einen Ort des Austauschs der raum- und zeitunabhĂ€ngig von FachkrĂ€ften, Eltern, TrĂ€gervertreterInnen und der interessierten Fachöffentlichkeit genutzt werden kann. Fragen, Probleme, Lösungen, Informationen, Kritik und Lob zur Kindertagesbetreuung in Brandenburg haben hier einen Platz. FĂŒr das Ziel, den Kindern bestmögliche Entwicklungschancen zu eröffnen und dafĂŒr zu einer Partnerschaft aller am Erziehungsprozess Beteiligten beizutragen, sollen hier pĂ€dagogische Themen behandelt werden.

Moderator: Detlef Diskowski

Anni
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Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Anni » 15.12.2016, 23:29

Hallo
Ich arbeite erst seit kurzem im Land Brandenburg und war vorher in berlin 14 Jahre als Erzieher.
Ich war doch recht erschrocken ĂŒber die Unterschiede
Am kuriosesten finde ich das miT dem förderbedarf der kinder was mir auch bisher keiner ausreichend beantworten kann.
Aus Berlin kenne ich das so das es integrationserzieher gibt diese arbeiten zusĂ€tzlich in den Gruppen und kĂŒmmern sich da vorrangig um die integrationskinder
Diese habe je nach Begutachtung vom spz einen erhöhten oder einen wesentlich erHöhen förderbedarf
Erhöht sind je Kind 0.25 erzieherstellen und wesentlich erHöhe 0.5 erzieherstellen. Hier wurde mir nun erklĂ€rt das die Kinder nach Feststellung möglichst in spezielle integrationseinrichtungen sollen oder es kommt 1 mal im der Woche jemand fĂŒr 1 Stunde und"fördert" das betreffende Kind . Ich kann mir das alles schwer vorstellen die kinder mĂŒssen doch tĂ€glich gefördert werden und nicht nur 1 mal in der Woche fĂŒr eine stunde?
Und wie werden diese Kinder dann in der kita in den personalschlĂŒssel eingerechnet wenn sie nicht in einer integrationskinder sind.
Es gibt hier leider ein paar Dinge die mich sehr erstaunen das es das noch gibt ist das in ganz Brandenburg so oder will man mir da ein x vor ein u machen?
Freue mich auf eine Antwort
Vielen dank schon einmal im voraus

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Detlef Diskowski
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Detlef Diskowski » 17.12.2016, 11:10

Anni hat geschrieben:Hier wurde mir nun erklĂ€rt das die Kinder nach Feststellung möglichst in spezielle integrationseinrichtungen sollen oder es kommt 1 mal im der Woche jemand fĂŒr 1 Stunde und"fördert" das betreffende Kind . Ich kann mir das alles schwer vorstellen die kinder mĂŒssen doch tĂ€glich gefördert werden und nicht nur 1 mal in der Woche fĂŒr eine stunde?
Und wie werden diese Kinder dann in der kita in den personalschlĂŒssel eingerechnet wenn sie nicht in einer integrationskinder sind.
Es gibt hier leider ein paar Dinge die mich sehr erstaunen das es das noch gibt ist das in ganz Brandenburg so oder will man mir da ein x vor ein u machen?

Sehr geehrte Anni,
zum Grundsatz: der Anspruch auf Eingliederungshilfe fĂŒr Kinder mit einer körperlichen und geistigen Behinderung ist ein bundesrechtlich bestimmter Individualanspruch; also ein Anspruch des einzelnen Kindes auf eine seiner EingschrĂ€nkung entsprechenden Hilfe. Wie dies in den LĂ€ndern und StĂ€dten in Deutschland umgesetzt wird (insbe. wenn dies mit Kitabetreuung verbunden ist), ist dann durchaus unterschiedlich. ZustĂ€ndig fĂŒr die Umsetzung sind nĂ€mlich die örtlichen TrĂ€ger der Sozialhilfe, also in Brandenburg die Landkreise und kreisfreien StĂ€dte und in Berlin, die Stadt Berlin.

Im KitaG (oder der Personalverordnung) in Brandenburg gibt es keine Bestimmung fĂŒr zusĂ€tzliches Personal fĂŒr die Betreuung von Kindern mit Behinderung, weil der zusĂ€tzliche Bedarf (in Art und Weise und Menge) INDIVIDUELL vom örtl. TrĂ€ger (s.o.) festgestellt und zugemessen werden muss. (§ 16 Abs. 1 Satz e KitaG: "Erfolgt eine Unterbringung grundsĂ€tzlich oder in ihrem zeitlichen oder qualitativen Umfang aufgrund der §§ 27, 35 a des Achten Buches Sozialgesetzbuch oder der §§ 53, 54 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch, so trĂ€gt der nach diesen Vorschriften Verpflichtete die hierdurch entstehenden Mehrkosten. ")
Das ist aus meiner Sicht eine durchaus sinnvolle Regelung, weil schon die Alltagserfahrung zeigt, dass es höchtst unterschiedlich ist, WELCHE ART von Hilfe und in WELCHEN UMFANG Hilfe geleistet werden muss. Insofern ist es schwierig, wenn Sie von "den Kindern" sprechen. FĂŒr ein Kind muss vielleicht nur der Rolli geschoben werden; ein anderes Kind braucht viel UnterstĂŒtzung beim Begreifen der Welt; ein drittes kommt weitgehend allein zurecht, ist aber sehr empfindlich gegen LĂ€rm und Unruhe ......) Deswegen muss das Sozialamt den Einzelfall betrachten.
Dass es in der Praxis der Feststellung und HIlfegewÀhrung allerdings Umsetzungsprobleme gibt, ist leider auch richtig. :x

Praktisch soll es also so funktionieren, dass Eltern den Hilfebedarf eines Kindes feststellen lassen; das Sozialamt gewĂ€hrt z.B. eine personelle UnterstĂŒtzung und diese kommt in Abstimmung mit der Kita zu den vereinbarten Zeiten in die Einrichtung.
Der SONDERFALL sollte die Unterbringung in einer I-Kita ("Integrationskita") sein, weil das Kind möglichst in seinem gewohnten Lebensumfeld bleiben soll, also nur in eine besondere Kita gehen soll, wenn in der Regelkita seinem Hilfebedarf nicht entsprochen werden kann. Diese sog. "Integrationskitas" haben eine besondere Finanzierungs- und Leistungsvereinbarung mit dem örtlichen Sozialamt; sie sind also Regelkita UND Einrichtung der Eingliederungshilfe.
Es grĂŒĂŸt freundlich
Detlef Diskowski

(10/1991 - 2/2016 Referatsleiter Kita im MBJS)

Anni
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Anni » 17.12.2016, 22:44

Vielen dank fĂŒr die ausfĂŒhrliche ErklĂ€rung
Es ist richtig das man auf die EinzelfÀlle schauen sollte
Ich denke aber das es auf dem Gebiet noch einige Verbesserungen im Land Brandenburg gibt.
Denn wie schon gesagt ich denke das kinder mit entwicklungsverzögerungen oder motorischen oder sprachlichen Schwierigkeiten können und sollen meiner Meinung nach in einer regelkita betreut werden aber sie brauchen eben doch fĂŒr eine gewisse Zeit eine etwas intensivere Betreuung und Förderung und zwar tĂ€glich ĂŒber den gesamten tagesablauf in der einrichtung und das durch zusĂ€tzlich geschultes Personal .
Wie gesagt da finde ich es in berlin schon sehr gut das such ein integrationserzieher um 4 Kinder mit erhöhtem oder eben um 2 kinder mit wesentlich erhöhtem bedarf kĂŒmmert mit alleEM was dazu gehört und das in einer regelgruppe wo je nach alter ca.8 bis 11 kinder auch mit einer Erzieherin sind. Also 2 Kollegen mit ca. 10- 14 kinder.
Dennoch wie gesagt vielen dank fĂŒr die Info und ich muss mich einfach weiter mit den Bedingungen und Voraussetzungen im Land Brandenburg vertraut machen
Danke

Fritzi
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Fritzi » 23.02.2017, 13:29

Hallo, ich bin HeilpĂ€dagogin und arbeite in einer Integrationskita. Ich kĂ€mpfe schon seit Jahren um die Anerkennung von HeilpĂ€dagogen in Regelkitas. Ich habe mich schon mehrmals an das Landes Jugendamt gewendet und bin leider nur auf Taube Ohren gestoßen :cry:
Ich finde das System in Brandenburg sehr ĂŒberholungsbedĂŒrftig. Auch die Einstufung der Integrationskinder kommt nicht an den realen Bedarf ran, da diese sie nach Pflegestufen einstufen. Da die Kita keine reine Pflegeeinrichtungen ist sondern eine Bildungseinrichtung kann man den Kindern die ja auf Grund unterschiedlichster Problem ihren Stautus haben nicht gerecht werden beispielsweise sprachlich, versteht vielleicht kein Wort, hat aber nur die geringste Einstufung weil es keine Pflege benötigt. Aber im Kitaalltag benötigt solch ein Kind eine intensive Betreuung und anfangs fast 1 zu 1 ... aber da kann man mit dem Jugendamt reden wie man will. Schrecklich...

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Detlef Diskowski
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Detlef Diskowski » 24.02.2017, 09:51

Hallo Fritzi,
das sind aus meiner Sicht zwei Themen, die nicht identisch sind.
Fritzi hat geschrieben:Hallo, ich bin HeilpĂ€dagogin und arbeite in einer Integrationskita. Ich kĂ€mpfe schon seit Jahren um die Anerkennung von HeilpĂ€dagogen in Regelkitas. Ich habe mich schon mehrmals an das Landes Jugendamt gewendet und bin leider nur auf Taube Ohren gestoßen :cry:
Ich finde das System in Brandenburg sehr ĂŒberholungsbedĂŒrftig.

Hierzu gibt es einen anderen Beitrag ("Personalverordnung"), in dem wir diese Frage behandeln können. http://www.kita-brandenburg.de/viewtopic.php?f=34&t=480

Fritzi hat geschrieben:Auch die Einstufung der Integrationskinder kommt nicht an den realen Bedarf ran, da diese sie nach Pflegestufen einstufen. Da die Kita keine reine Pflegeeinrichtungen ist sondern eine Bildungseinrichtung kann man den Kindern die ja auf Grund unterschiedlichster Problem ihren Stautus haben nicht gerecht werden beispielsweise sprachlich, versteht vielleicht kein Wort, hat aber nur die geringste Einstufung weil es keine Pflege benötigt. Aber im Kitaalltag benötigt solch ein Kind eine intensive Betreuung und anfangs fast 1 zu 1 ... aber da kann man mit dem Jugendamt reden wie man will. Schrecklich...

Hier gibt es m.E.ein MissverstĂ€ndnis. Wenn Kinder mit einem zusĂ€tzlichen Förderbedarf in der Kita betreut werden sollen, dann ist fĂŒr die Finanzierung der zusĂ€tzlichen Ressourcen (Personal, sĂ€chliche Ausstattung..) entweder das Jugendamt (bei seelischer Behinderung oder Erziehungshilfebedarf) oder das Sozialamt (bei körperlicher oder geistiger Behinderung). Die gesetzlichen Regelungen finden sich im § 12 Abs.2 und § 16 Abs. 1 KitaG http://www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.363000.de Diese Regelung folgt dem bundesgesetzlich bestimmten Individualanspruch des Kindes auf Eingliederungshilfe ..... Solche IndividualansprĂŒche und die jeweils erforderliche Hilfen mĂŒssen jeweils im Einzelfall festgestellt werden, weil es höchst unterschiedlich sein kann, was ein Kind braucht. Eine Pauschalregelung (z.B. "fĂŒr jedes Kind mit Hilfebedarf gibt es eine 1/4 Stelle") kann in dem einen Fall zu wenig, im anderen Fall zu viel und im dritten Fall die falsche Hilfe sein. Deshalb Individualanspruch!

Mit den Pflegestufen hat das nichts zu tun. Wenn Ihnen das irgendwo begegnet ist, wÀre es nett, wenn Sie nochmal genauer beschreiben, was vom wem festgestellt und eingestuft wurde.
Es grĂŒĂŸt freundlich
Detlef Diskowski

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Fritzi
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Fritzi » 24.02.2017, 10:27

Das mit den Pflegestufen wurde mir vom örtlichen Jugendamt erklÀrt, dass daran der Bedarf/Einstufung der Förderbedarfes gemessen wird. Weil ich konkret nachgefragt habe wie diese zu den unrealen Einstufungen kommen.

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Detlef Diskowski
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Detlef Diskowski » 24.02.2017, 10:51

Das Jugendamt ist zustĂ€ndig fĂŒr die zusĂ€tzliche Förderung von Kindern mit einer seelischen Behinderung oder bei einem Erziehungshilfebedarf. Was die zu Pflegestufen im Zusammenhang mit einem besonderen Förderbedarf in Kitas aussagen wollen, erschließt sich mir nicht. Vielleicht weiß dazu ein anderes Forumsmitglied Erhellendes mitzuteilen.
Es grĂŒĂŸt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Fritzi » 24.02.2017, 12:27

Ich hab nochmal kurze RĂŒcksprache mit meiner Kollegin gehalten. Die Dame ist nicht vom Jugendamt sondern vom Sozialamt die arbeiten aber zusammen und entscheiden. Die beiden Damen waren in unserer Einrichtung und da haben wir nachgefragt wie sie einstufen. Und das ist wirklich so, dass es nach Pflegestufen geht. Sehr unrealistisch

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Detlef Diskowski
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Detlef Diskowski » 28.02.2017, 20:16

Es bleibt mir weiterhin unklar: Pflegestufen sind Eingruppierungen fĂŒr Leistungen der Pflegeversicherung. HierfĂŒr ist m.W. der Medizinische Dienst der Krankenkassen zustĂ€ndig. Jugendamt und Sozialamt sind zustĂ€ndig fĂŒr Leistungen der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe fĂŒr Kinder mit BeeintrĂ€chtigungen und Behinderungen.
Wieso die fĂŒr Pflegeleistungen eigentlich unzustĂ€ndigen Sozial- und Jugendamtsmitarbeiterinnen Pflegestufen feststellen - und wie sich das zu ihrer Kernaufgabe, die Feststellung eines zusĂ€tzlichen Förder- oder Eingliederungshilfebedarfs, verhĂ€lt ....rĂ€tselhaft. Liest hier vielleicht ein Eingeweihter mit, der helfen könnte, die Sache aufzuklĂ€ren.
Es grĂŒĂŸt freundlich
Detlef Diskowski

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Fritzi
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Re: Kinder mit förderbedarf

Beitragvon Fritzi » 26.04.2017, 13:53

Es gibt den ICF-CY. Dank meiner Fortbildung habe ich ihn kennenlernen dĂŒrfen. Dieses wĂ€re der richtige Weg um den Hilfebedarf zu bestimmen. Ich hoffe, dass es bald an den zustĂ€ndigen Stellen ankommt.


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