Hortbetreuung und Einzelfallhelfer

Das Forum "Recht und Struktur" soll helfen Fragen zum Rahmen der Kindertagesbetreuung zu klären, Zusammenhänge aufzuzeigen, auf rechtliche Bestimmungen hinzuweisen und Lösungswege zu eröffnen.

Moderator: Detlef Diskowski

jazero
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Hortbetreuung und Einzelfallhelfer

Beitragvon jazero » 04.10.2017, 10:08

Guten Morgen,

Kinder, die w√§hrend der Schulzeit einen Einzelfallhelfer ben√∂tigen, werden oft auch im Hort betreut. W√§hrend der Hortzeit steht jedoch nicht immer ein Einzelfallhelfer zur Verf√ľgung. Die Betreuung gestaltet sich dann mehr als schwierig, zumal das Personal oft nicht ausreichend ist, um diesen Kindern gerecht zu werden. Eigentlich k√∂nnen wir diese Kinder nur in den Hort aufnehmen, wenn auch f√ľr diese Zeit ein Einzelfallhelfer zur Verf√ľgung steht.
Wie sieht es in einem solchen Fall mit der Rechtsanspruchserf√ľllung aus? K√∂nnen wir die Hortbetreuung an bestimmte Bedingungen kn√ľpfen?

Viele Gr√ľ√üe
jazero

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Detlef Diskowski
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Re: Hortbetreuung und Einzelfallhelfer

Beitragvon Detlef Diskowski » 04.10.2017, 19:25

jazero hat geschrieben:Kinder, die w√§hrend der Schulzeit einen Einzelfallhelfer ben√∂tigen, werden oft auch im Hort betreut. W√§hrend der Hortzeit steht jedoch nicht immer ein Einzelfallhelfer zur Verf√ľgung.

Sehr geehrter Forumsteilnehmer, wir k√∂nnen hier die rechtliche Situation betrachten.Wieso in diesem Fall tats√§chlich kein Einzelfallhelfer zur Verf√ľgung steht und ob dieser - oder eine andere Form der Eingliederungshilfe - n√∂tig w√§re, kann man abstrakt nicht sagen.
Ich gehe also davon aus, dass der Tr√§ger der Eingliederungshilfe/Jugendhilfe (also i.d.R. das Sozialamt bei k√∂rperlichen und geistigen Behinderungen; das Jugendamt bei seelischer Behinderung und Erziehungshilfebedarf) auf Antrag der Eltern den Bedarf gepr√ľft und beschieden hat.

jazero hat geschrieben: Die Betreuung gestaltet sich dann mehr als schwierig, zumal das Personal oft nicht ausreichend ist, um diesen Kindern gerecht zu werden. Eigentlich k√∂nnen wir diese Kinder nur in den Hort aufnehmen, wenn auch f√ľr diese Zeit ein Einzelfallhelfer zur Verf√ľgung steht.
Wie sieht es in einem solchen Fall mit der Rechtsanspruchserf√ľllung aus? K√∂nnen wir die Hortbetreuung an bestimmte Bedingungen kn√ľpfen?

Das festzustellen obliegt Ihnen als dem Träger der Einrichtung. Die entsprechende Verpflichtung lautet: "Kinder mit einem besonderen Förderbedarf nach den §§ 27, 35a des Achten Buches Sozialgesetzbuch oder den §§ 53, 54 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch sind in Kindertagesstätten aufzunehmen, wenn eine diesem Bedarf entsprechende Förderung und Betreuung gewährleistet werden können. Die Gruppengröße und die personelle Besetzung in diesen Gruppen sind den besonderen Anforderungen im Einzelfall anzupassen." (§12 Abs. 2 KitaG)
Den Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung haben selbstverst√§ndlich auch Kinder mit Behinderung/Erziehungshilfebedarf. Wenn dieser begr√ľndet nicht in einer bestimmten Einrichtung erf√ľllt werden kann, muss er auf andere Art erf√ľllt werden.

Tats√§chlich gab es in der Vergangenheit einige Verwirrungen √ľber die Eingliederungshilfe bei Kindern im Grundschulalter. Hier meinten einige, Kinder dieser Altersgruppe h√§tten keinen Anspruch auf Eingliederungshilfe. Das war und ist selbstverst√§ndlich falsch!
Richtig ist, dass die Eingliederungshilfe f√ľr Kinder dieser Altersgruppe nicht mehr zu den privilegierten Leistungen geh√∂rte und Eltern zu den Kosten herangezogen werden konnten. Dies hat praktisch zuweilen dazu gef√ľhrt, dass Eltern den Anspruch nicht gestellt hatten, wenn sie dessen Erf√ľllung bezahlen sollten.
Mit der Hinzuf√ľgung des Absatzes 4 im ¬ß 17 KitaG ist dies im Interesse der Kinder ge√§ndert worden. Dieser lautet: "Eine Heranziehung zu den Kosten einer Leistung der Eingliederungshilfe f√ľr Kinder im Grundschulalter nach ¬ß¬ß 53, 54 SGB XII erfolgt nicht, soweit diese Leistung der Inanspruchnahme des Rechtsanspruchs gem√§√ü ¬ß 1 dient. Hinsichtlich der Erstattung der den √∂rtlichen Tr√§gern der Sozialhilfe f√ľr die vorgenannten Leistungen entstandenen Kosten finden ¬ß¬ß 10 bis 15 des Gesetzes zur Ausf√ľhrung des Zw√∂lften Buches Sozialgesetzbuch mit der Ma√ügabe Anwendung, dass den √∂rtlichen Tr√§gern der Sozialhilfe die entstandenen Aufwendungen unabh√§ngig von den individuellen kommunalen Anteilen unter Ber√ľcksichtigung einer Finanzierungsquote des Landes von 85 Prozent gegen Nachweis erstattet werden."

Vielleicht ist die von Ihnen beklagte Situation dadurch bedingt, dass sich dieses oben dargestellte Missverst√§ndnis noch hier und da h√§lt ... aber zum konkreten Fall kann hier nat√ľrlich nichts gesagt werden.
Es gr√ľ√üt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Hortbetreuung und Einzelfallhelfer

Beitragvon jazero » 05.10.2017, 07:44

Guten Morgen,

in einem konkreten Fall hat der Junge auch in der Schule keinen Einzelfallhelfer, da die Mutter sich weigert, mit dem Sozialamt zusammen zu arbeiten. Wir haben ihn vorher jahrelang im Kindergarten betreut und mussten dort bereits zahlreiche Schwierigkeiten √ľberwinden. Die Betreuung im Rahmen des normalen Personalschl√ľssels war eine gro√üe Herausforderung.
Im Gespr√§ch mit der Mutter habe ich Hilfe bei der Beantragung eines Einzelfallhelfers angeboten, bin aber leider auf taube Ohren und Unverst√§ndnis gesto√üen. Niemand wolle ihr Kind haben, war der Vorwurf der Mutter. Dabei w√ľrden wir den Jungen betreuen, wenn die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden k√∂nnen. Ohne die Mitarbeit der Mutter komme ich hier jedoch nicht weiter.
Auch wenn ich weiß, dass ich mich rechtlich mit einer Ablehnung auf der sicheren Seite befinde, machen mich solche Fälle immer etwas ratlos.

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Re: Hortbetreuung und Einzelfallhelfer

Beitragvon Detlef Diskowski » 06.10.2017, 00:01

Ihre Ratlosigkeit kann ich gut nachvollziehen. (Zuweilen ist es Menschen lieber sich als Opfer f√ľhlen zu k√∂nnen, anstatt Hilfe zu suchen.)
Es bleibt aber dabei; ohne Kooperationsbereitschaft der Mutter wird es wohl keinen Antrag geben und keine Hilfe. ....wobei man noch einmal in den Entscheidungen graben m√ľsste ... ich erinnere dunkel, dass nicht in jedem Fall ein explizites Antragserfordernis vorausgesetzt werden muss. Wei√ü dazu jemand aus der Forumsgemeinde etwas???????????????
Es gr√ľ√üt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Hortbetreuung und Einzelfallhelfer

Beitragvon lysan » 06.10.2017, 15:23

Ein Kind mit Diabetes hat f√ľr Schule und Hort einen Einzelbetreuer. F√ľr die Ferienbetreuung muss die Einzelbetreuung extra beantragt werden. Bisher wurde die Teilnahme an der Ferienbetreuung immer wieder zur√ľckgezogen, da der Antrag wohl nicht rechtzeitig gestellt wurde.
Nun ist das Kind f√ľr den Ferienhort angemeldet - ein Antrag liegt bei dem Tr√§ger der Einzelbetreuung aber noch nicht vor.
Wenn kein Einzelbetreuer kommt - verweigere ich die Annahme des Kindes am 1.Ferientag?
Unser pädagogisches Personal ist medizinisch nicht geschult und bei der Vielzahl der Kinder können wir dem Kind nicht die unseres Erachtens notwendige Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Die Einsichtsbereitschaft der Eltern hält sich in Grenzen....
Gibt es woanders ähnliche Problemlagen? Wie wird damit umgegangen?

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Detlef Diskowski
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Re: Hortbetreuung und Einzelfallhelfer

Beitragvon Detlef Diskowski » 06.10.2017, 15:43

Sehr geehrte Lysan,
ob bei Ihnen f√ľr dieses Kind die "diesem Bedarf entsprechende F√∂rderung und Betreuung gew√§hrleistet werden k√∂nnen" ist sicher nicht abstrakt, sondern nur auf die konkrete Situation und das konkrete Kind hin festzustellen .
Ob die Grenze bereits bei einem Kind mit Diabetes √ľberschritten ist, wei√ü ich nicht. Sicherlich haben Sie im Kontakt mit dem Gesundheits-/Sozialamt und mit dem behandelnden Arzt/√Ąrztin abgekl√§rt, welcher Art und in welchem Ausma√ü eine zus√§tzliche F√ľrsorge notwendig ist.
Ich wei√ü auch nicht, ob eine medizinische Schulung erforderlich ist, dem Kind die ihm entsprechende F√∂rderung und Betreuung zukommen zu lassen. W√ľrde man dies bei jeder Krankheit, bei jeder (drohenden oder manifesten) Behinderung annehmen, dann k√∂nnten eine Vielzahl von Kinder nicht unsere Einrichtungen besuchen. Sicherlich gibt es Einrichtungen, die sich hier sehr viel zumuten und zutrauen - und bei anderen ist die Grenze sehr schnell erreicht. (Im letzten Sommer wurde wieder von Kitas berichtet, die das Eincremen der Kinder mit Sonnenschutzcreme f√ľr unzumutbar hielten.)
Es gr√ľ√üt freundlich
Detlef Diskowski

(10/1991 - 2/2016 Referatsleiter Kita im MBJS)


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