Ausschluss der Hortkinder von der Mittagessen-Refinanzierung

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Detlef Diskowski
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Re: Ausschluss der Hortkinder von der Mittagessen-Refinanzierung

Beitragvon Detlef Diskowski » 29.03.2017, 17:15

Ich möchte noch einmal zusammenfassend zur Klarstellungen auf Ihre Bemerkungen eingehen:
dergolfer94 hat geschrieben:Nach meinem Empfinden sind eine Vielzahl von Schulen, die meiner Kinder eingeschlossen, keine verlässlichen Halbtagsschulen sondern eben "Ganztagsschulen". In der Folge gibt es also eine Ungleichbehandlung zwischen Schülern mit Hortbetreuung und denen ohne eine Hortbetreuung,

Sehr geehrter Golfer94, außer einigen Schulen in freier Trägerschaft gibt es in Brandenburg keine "Ganztagsschulen" im Primarbereich, sondern nur die Verlässliche Halbtagsgrundschule in Kooperation mit einem oder mehreren Horten. Nach meiner Kenntnis wird in den wenigen Ganztagsschulen in freier Trägerschaft das Angebot als Kooperation von Schule und Hort betrieben - mit je unterschiedlichen Rahmensetzungen und Finanzierungen (nach Schulgesetz und nach KitaG). Vielleicht kommen einige Missverständnisse dadurch zustanden, dass wir jeweils über Unterschiedliches schreiben :?:
Das es eine Ungleichbehandlung von Kindern gibt die im Hort sind und die die nicht im Hort sind, ist selbstverständlich so: Kinder, die von ihren Eltern im Hort angemeldet sind, erhalten natürlich andere Leistungen als die Kinder, die nicht angemeldet sind. Alles andere wäre auch nicht nachvollziehbar und würde sofort zur massenhaften Abmeldung von Hortkindern führen, wenn für den Elternbeitrag im Hort nicht auch besondere Leistungen zu erwarten sind, als die die alle anderen Schulkinder bekommen.

dergolfer94 hat geschrieben: welches schon aus praktischen GrĂĽnden (Abrechnung mit dem Caterer, Organisation des Personals) auf kommunaler Ebene einer sinnvollen Regelung bedarf.

Eigentlich nicht! Für Hortkinder hat der Hort einen Versorgungsauftrag; die Schule hat ein Angebot zu ermöglichen und lässt sich dafür die "angemessenen Kosten" (also i.d.R. den Erstellungspreis) erstatten. Man könnte sich diesen Versorgungsauftrag auch für die Schule wünschen; aber deshalb die Leistungen des Hortes zu problematisieren, macht die Sache etwas schief.

dergolfer94 hat geschrieben:Aus der täglichen Praxis kann ich an der Stelle nur berichten, dass in unseren Schulen sowohl Lehrer als auch Erzieher des Hortes die Aufsicht führen, was nicht unbedingt für eine Klarsstellung der Zuständigkeiten spricht.

Wenn es sich NICHT um eine Verlässliche Halbtagsgrundschule handelt, spricht das mehr noch als für unklare Zuständigkeiten dafür, dass das Personal der Kindertagesbetreuung womöglich nicht zweckentsprechend für die Bildungs-, Erziehungs-, Betreuungs- und Versorgungsaufgaben des Hortes eingesetzt wird - sondern womöglich zur Entlastung der Schule!
Wenn es sich dabei nicht um eine seltene Aushilfe in einer Notlage handelt, sondern um eine regelmäßige Aufgabenübertragung, ist das nicht zulässig!
Man kann sich wünschen, dass es mehr Personal in der Schule gäbe - aber das gilt sicher auch für den Hort - und der Hort dient nicht der Abdeckung ungeliebter Aufgaben der Schule.

dergolfer94 hat geschrieben:Vielleicht ist spätestens an dieser Stelle der Vorteil aus der Pflicht nach dem KitaG ein praktischer oder gar wirtschaftlicher Nachteil. Erkennbar ist jedenfalls das dieses Problem, wie so viele, nicht kurzfristig zu lösen sein wird.

Vorteil und Nachteil für wen? Wenn Sie das auf die Gemeinde beziehen, so stimme ich Ihnen zu. Die Gemeinde hat für die Versorgung der Kinder im Hort mit Essen und Trinken eine weitergehende Pflicht als wenn diese Kinder nicht im Hort wären; und ihre Möglichkeit, die Eltern an den Kosten zu beteiligen sind geringer. Nun könnte man aber angesichts der Ernährungsprobleme von Kindern sich doch eigentlich nur wünschen, dass ein gesundes und preiswertes Mittagessen allen Kindern geboten wird - was eher für eine Übernahme der KitaG-Regelung ins Schulgesetz spräche.
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

(10/1991 - 2/2016 Referatsleiter Kita im MBJS)

dergolfer94
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Re: Ausschluss der Hortkinder von der Mittagessen-Refinanzierung

Beitragvon dergolfer94 » 11.04.2017, 08:37

Sehr geehrter Herr Diskowski,

ich komme schon einiges rum vor allem im nördlichen Brandenburg und die Mehrheit der Grundschulen, so ist es jedenfalls mein Empfinden und dass kann man auch auf diversen Homepages nachlesen, versteht sich als Grundschule mit Ganztagsangeboten in offener Form und eben nicht als Verlässliche Halbtagsschule. Insofern ist das wahrscheinlich genau mein Verständnisproblem. Folgerichtig kommt es hier, obwohl fast immer Horterzieher oder in anderen Einrichtungen nur Lehrer bei der Mittagsversorgung anwesend sind zu einer Diskrepanz zwischen dem KitaG für die angemeldeten Hortkinder und der Schulspeisung für alle anderen Schüler und schlussendlich zu einem immerwährenden Streit um die sachliche und fachliche Zuständigkeit.

Insofern wĂĽrde ich das Thema jetzt auch abschlieĂźen und bei Bedarf erneut anstoĂźen

Herzlichen Dank.


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