Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

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Moderator: Detlef Diskowski

Gottschling
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Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Gottschling » 22.02.2017, 10:53

Sehr geehrter Herr Diskowski,

eine weitere Herangehensweise, sich der Höhe der durchschnittlich ersparten Eigenaufwendungen (Zuschuss zum Mittagessen) anzunähern, könnte sein, sich der Rechenmethode des Regelbedarfermittlungsgesetzes (RBEG) zu bedienen, mit der die im SGB II festgelegte „häusliche Ersparnis“ ermittelt wird (§28 Abs. 6 SGB II). Doch anstatt dabei auf die Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes zur Ermittlung von Regelbedarfen nach § 28 SGB XII zurückzugreifen, die nur die untersten 20% der nach Einkommen aufwärts gestaffelten Haushalte berücksichtigt, könnte man zur Berechnung der „durchschnittlich ersparten Eigenaufwendungen“ die Daten der Studie „Konsumausgaben von Familien für Kinder*“ von 2014 heranziehen, welche die Ausgaben aller Haushalte berücksichtigt und auch vom Statistischen Bundesamt erstellt wurde.

Die „häusliche Ersparnis“ wird nach dem RBEG wie folgt berechnet :
Anteil fĂĽr das Mittagessen an der Tagesverpflegung von 39,41 %** x Ausgaben fĂĽr die Nahrungsmittel fĂĽr Kinder von 0-18 Jahren***.

Laut der Studie Konsumausgaben von Familien fĂĽr Kinder **** waren 2008 die monatlichen Ausgaben von Paaren mit einem Kind fĂĽr die Nahrungsmittel desselben wie folgt:

Kinder Monatliche Ausgaben fĂĽr Nahrungsmittel
Unter 6 Jahren 90,00 €
6 – 12 Jahren 96,00 €
12 – 18 Jahren 166,00 €
Durchschnittlich 117,34 €

Tag: 117,34 € / 30 Tage = 3,92 €

Berechnung nach RBEG: 3,92 € * 0,3941 Anteil Mittagessen = 1,54 € (2008)

Unter Berücksichtigung der Preissteigerungsraten für Nahrungsmittel seit 2008 von 13,09 % (Quelle Statistisches Bundesamt) käme man somit für das Jahr 2016 auf einen Betrag von 1,74 € für die durchschnittlichen Ausgaben einer Familie für den Einkauf der Lebensmittel für das Mittagessen eines Kindes.

Quellen

* Statistisches Bundesamt, Konsumausgaben von Familien fĂĽr Kinder. Berechnungen auf Grundlage der Einkommens- und Verbraucherstichprobe 2008

** Der Anteil von 39,41 % für das Mittagessen ergibt sich aus der aktuellen Sozialversicherungsentgeltverordnung SvEV, § 2 Abs. 1, Stand 21.11.2016

*** BT-Drucksache 17/3404, S 90

**** Statistisches Bundesamt, Konsumausgaben von Familien fĂĽr Kinder 2008, S. 35

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Detlef Diskowski
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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Detlef Diskowski » 22.02.2017, 11:07

Liebe Kollegin,
ich finde das ist ein sehr nachvollziehbarer und vermutlich rechtssicherer Weg, die "durchschnittlich ersparten Eigenaufwendungen" zu kalkulieren.
Sie lassen sich ja nicht wirklich berechnen, weil die Einsparungen bei den Eltern liegen und die Träger können ja nicht deren Haushaltsbücher kontrollieren. Also muss man eine Annäherung finden, und was Sie hier vorschlagen, finde ich einen sehr guten Weg.
Wenn der Träger einer konkreten Kita nun noch berücksichtigt, ob sein Essen eines ist, das diesem Durchschnittswert entspricht, hat er m.E. alle Voraussetzungen erfüllt.
Vielen Dank fĂĽr Ihren Beitrag.
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

Janamike
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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Janamike » 22.02.2017, 22:47

Lieber Herr Gottschling,
lieber Herr Diskowski,

nun komme ich wieder und frage, isst denn ein Krippenkind genauso viel wie ein Kitakind?
Vom Magen her ginge es vermutlich nicht...

Wie wĂĽrde Ihre Berechnung aussehen?

LG Janamike

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Detlef Diskowski
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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Detlef Diskowski » 22.02.2017, 23:14

Ich möchte das mal etwas zusptzen und die Frage zurückgeben: Welche Kosten ersparen Sie sich? Haben Sie das mal ausgerechnet? Haben andere Eltern das ausgerechnet? Aber DARUM geht es. Das ist nach KitaG der Maßstab für das Essengeld.
Da nun aber der Kita-Träger nicht in die Haushaltsbücher und die Kochtöpfe der Eltern schauen kann, muss er versuchen, einen Weg und ein möglichst unaufwändiges Verfahren zu finden, das nachvollziehbar und rational ist.
Frau Gottschling hat sich die Mühe gemacht, den Trägern einen Weg der Annäherung an die "durchschnittlich ersparten Eigenaufwendungen" vorzuschlagen. Der Betrag selber ist nicht allgemein zu ermitteln, weil er von Kita zu Kita unterschiedlich ist! Es ist und bleibt eine Annäherung; und eine Annäherung wird immer im Einzelfall ungenau sein müssen.
Wie ich ich anderer Stelle schrieb: Warum nur diese nicht nachlassende Kritik und dieser Wunsch nach Genauigkeit? Die Regelung zum Schulessen ist noch sehr viel unbestimmter ("angemessene Preise") und für die Eltern noch viel teuerer ..... und es gibt keine kritische und nicht nachlassende Diskussion in der Elternschaft wie beim Kita-Essen. Da läge es doch auf der Hand, eine Regelung wie für die Schule ins KitaG zu schreiben. Folge ist, die Eltern zahlen 2,50€ (oder wieviel auch immer verlangt wird) und die Diskussion ist beendet.
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Janamike » 23.02.2017, 06:56

Guten Morgen Herr Diskowski,

EIN KRIPPENKIND isst aber nicht wie ein Kitakind. Der Vorschlag ist ja ansich in Ordnung und Stelle ich nicht in Abrede, aber mit dem Preis schaffe ich mein Krippenkind an 1,5 manchmal sogar 2 Tagen zu versorgen. Es geht ja nur ums Mittag! Es ist nicht ĂĽberspitzt!
Was mich ärgert, ist, dass wir gleich zahlen müssten und der Träger wieder schön die Hände aufhält.

Sie erinnern sich sicher, dass ich Ihnen sagte im Forum, dass ich Antrag auf AKTENEINSICHT und Informationensgesetz stellen musste, weil ich NICHT KLAGE UND ICH DEN AUCH NOCH BEZAHLEN DARF!

Bei mir reichts einfach mit meinem Verständnis und dem Zahlen. Punkt!

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Detlef Diskowski
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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Detlef Diskowski » 23.02.2017, 08:54

Liebe Janamike,
Ihre Verärgerung ist deutlich zu lesen und die ich will Ihnen auch nicht ausreden. (Ohne den Ärger über die Nichtbeachtung der Essengeldregelung durch viele Träger, hätten sich das Verwaltungsgericht und das OVG nicht mit der Frage befasst.)
Ich wollte nur auf die möglichen sehr negativen Folgen einer langanhaltenden Diskussion um eine vermeintlich unklare gesetzliche Regelung hinweisen. Die Folge könnte eine noch unklarere und für Eltern deutlich teurere Regelung sein (s. Schulgesetz) :o
Konkret zu Ihrem Vorschlag nach Altersgruppen zu unterscheiden (wie man das ja beim Elternbeitrag macht) meine ich, dass das grundsätzlich sicher möglich ist. Nur wenn man mit der tatsächlichen Essenmenge argumentiert, werden wir den Ärger der Eltern von 3;1 Jahre alten Kindergartenkindern erleben, die nicht einsehen, wieso sie mehr zahlen sollen als die Eltern des 2;9 Jahre alten Krippenkindes. (Beim Elternbeitrag kann mit mit dem anderen Personalschlüssel argumentieren, aber hier..) Oder Eltern eines kleinen Wenigesssers fühlen sich finanziell benachteiligt, gegenüber den Eltern eines immer hungrigen Kindes.
Es gibt also einen ausauflöslichen Widerspruch zwischen einfachen Regelungen und Einzelfallgerechtigkeit. Nur darauf will ich hinweisen ....
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Janamike » 23.02.2017, 10:17

Lieber Herr Diskowski,

aber momentan gibt's ja auch die Staffelung nach "Alter". Jedenfalls bei uns in der Kita. Eltern zahlen für bis 3 Jährige den Krippensatz = weniger. Ab KiGA (ab 3) den etwas höheren. Das empfinde ich als Ansatz gerecht.

Da ja der Anspruch auf einen Kitaplatz bereits ab 1 Jahr besteht, können Sie vielleicht nachvollziehen, dass die Kleinen tatsächlich nicht viel essen. Die meisten gewöhnen sich ja vermutlich erst an die Nahrung / Breie.
Deswegen mein Einwand.

Meine Verärgern ist ganz klar. Selbst im friedlichen "Nichtklagens" gegenüber den Träger, sondern der Versuch der Transparenz, wird man noch fertig gemacht.

Vg

Danilo Fischbach
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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon Danilo Fischbach » 10.03.2017, 09:44

Zum 1 genannten Beispiel:

Kinder Monatliche Ausgaben fĂĽr Nahrungsmittel
Unter 6 Jahren 90,00 €
6 – 12 Jahren 96,00 €
12 – 18 Jahren 166,00 €
Durchschnittlich 117,34 €

Ich denke mit dieser Formel wird die durschnittlich ersparten Eigenaufwendung kĂĽnstlich nach oben gerechnet .

Da die Altersgruppe 12- 18 Jahre in Krippe , Kita und Hört eine untergeordnete Rolle spielen .

Also bleiben nur noch die Werte fĂĽr :

Unter 6 Jahren 90 Euro
Und 6- 12 Jahren 96 Euro

Durschnittlich = 93 Euro

93 Ă· 30 = 3.10 Euro

Berechnung nach RBEG 3.10 x 0.3941 = 1.22 Euro pro Tag
fĂĽr Mittagessen .

Ob man eine Teurungsrate ansetzen kann fĂĽr Lebensmittel, sehe ich ebenfalls kritisch . Da gerade im Bereich der Grundsicherung, der Anteil fĂĽr Lebensmittel nicht explizit gestiegen ist .

Mit freundlichen GrĂĽĂźen D.Fischbach

dergolfer94
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Re: Neues Berechnungsmodell fĂĽr Zuschuss zum Mittagessen

Beitragvon dergolfer94 » 16.03.2017, 19:43

Sehr geehrte Fischbach,

die vorgestellt Berechnung finde ich eine wirklich nachvollziehbare Lösung.

Es bleibt zu hoffen, dass eine Vielzahl von Kommunen uter dem Gesichtspunkt eine einfachen und praktischen Lösung einen zumindest ähnlichen Ansatz wählen.

Vielen Dank fĂĽr diesen Beitrag.

Liebe Janamike,

die Staffelung bei den Elternbeiträgen beruht, jedenfalls in unserer Kommune, auf verschiedenen Ansätzen.
einerseits natürlich das vorhandenen Haushaltseinkommen sowie die Anzahl der Kinder und auf der anderen Seite das Alter der Kinder, weil kleine Kinder erkennbar einen höheren Bedarf an Personal erfordern.
Aus eigener Erfahrung kann ich feststellen, dass zumindest bei unsererm Versorger, die bereitgestellten Essensportionen für Kinder unter 3 als auch über 3 Jahren vom Umfang vergleichbar sind also auch in gleicher Höhe den Haushalt belasten.

Freilich können sie argumentieren, dass das Kleinkind tatsächlich weniger Nahrung zu sich nimmt, aber der aus meiner Sicht weit zufassende Rahmen eines Durchschnittswertes für alle Kitakinder geht dem wohl vor. Umgekehrt profitiert ihr Kind später ja auch von den gleichbleibenden Kosten, obwohl es durch das Wachstum angefeuert einen höheren Nahrungsbedarf hat.

Schöne Grüße

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Detlef Diskowski
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z.B. FĂĽrstenwalde/Spree

Beitragvon Detlef Diskowski » 19.03.2017, 09:53

Die Stadt Fürstenwalde/Spree hat ihre neue Satzung und ein Berechnungsmodell zur Abschätzung der ersparten Eigenaufwendungen ins Netz gestellt: http://binfo.fuerstenwalde-spree.de/vo0 ... kvonr=1612

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