Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge

Das Forum "Recht und Struktur" soll helfen Fragen zum Rahmen der Kindertagesbetreuung zu klären, Zusammenhänge aufzuzeigen, auf rechtliche Bestimmungen hinzuweisen und Lösungswege zu eröffnen.

Moderator: Detlef Diskowski

Hascheff
Beiträge: 44
Registriert: 25.01.2018, 01:10

Fortsetzung

Beitragvon Hascheff » 25.04.2018, 01:45

Hallo in die Runde,
in meinem letzten Beitrag (Er war lang genug) kamen ein paar Aspekte zu kurz. Ich muss noch mal nachlegen.
Woithe hat geschrieben:Im Ergebnis meiner AusfĂĽhrungen stelle ich fest, dass zwischen Beitragserhebung gem. aktueller Satzung und meiner Auffassung eine erhebliche Differenz von 149,58 EUR vorliegt (438 EUR zu 288,42 EUR). Aber auch die Berechnung zwischen Modell1 (nach Betreuungsstunden) zeigt zu meiner Auffasssung deutliche Differenzen auf.

Zunächst kurz eine mathematische Anmerkung:
Wenn jemand sagt: "Die Flasche ist zu 150% gefĂĽllt," dann weiĂź jeder, dass das mathematischer Unsinn ist. Es gibt Sachverhalte, da geht mehr als 100% einfach nicht.
Unser Sachverhalt gehört nicht dazu. 100% ist der durchschnittliche Aufwand, und wenn ein Kind länger betreut wird, dann hat man eben mehr Aufwand. Deshalb gibt es auch nicht "den einen Höchstbeitrag", sondern jede Betreuungszeit hat ihren Höchstbeitrag.

Aber um die ganze Rechnerei zu verstehen, muss man erst mal ein paar Fakten verstanden haben.

Bekanntlich ist ja der Beitrag zu staffeln:
- nach Betreuungszeit,
- nach Kinderzahl,
- nach Einkommen.
Davon sind die letzten beiden soziale Gründe, nicht aber die Betreuungszeit, da geht es darum, nach Aufwand zu differenzieren. "Sozial" heißt, dass die öffentliche Hand, hier zunächst die Wohnortgemeinde, einen Teil der Kosten übernimmt.

Anders herum bedeutet das: Hätte eine Kita nur Einzelkinder und nur Eltern mit hohem Einkommen, würden also alle Eltern den Höchstbeitrag zahlen, dann müssten die Elternbeiträge die gesamten* (umlegbaren) Kosten abdecken.

Daraus ergibt sich, dass es nicht "den einen Höchstbeitrag" gibt, sondern jede Betreuungszeit ihren eigenen Höchstbeitrag hat. Deshalb schrieb ich letztens
Hascheff hat geschrieben:Nein, es kann nicht sein, dass die durchschnittlichen Platzkosten den Höchstbeitrag in der höchsten Betreuungszeitstufe ergeben.


* Anmerkung:
So die Theorie. Praktisch ist das nicht ganz erreichbar, um den folgenden Grundsatz nicht zu gefährden:
Keine Querfinanzierung! Also kein Beitrag darf höher sein als die tatsächlichen Kosten.

Mit freundlichen GrĂĽĂźen
Hascheff

Dirk Pehnert
Beiträge: 15
Registriert: 28.03.2018, 11:12

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge Gemeinkosten nach KGST ???

Beitragvon Dirk Pehnert » 31.07.2018, 08:50

Uns liegt nun die neuste Kalkulation der Kitabeiträge der Gemeinde am Mellensee vor.
Leider weiterhin mit max Kosten Krippe 890 Euro (vor politischer Entscheidung der Gemeindevertreter - die jedoch bei einem Haushaltsminus von 1,4 Mio nicht sehr grosszĂĽgig ausfallen wird).
Zum Thema Geminkosten in der Kalkulation:
Was genau verbirgt sich hinter ?
- Sachkosten des Arbeitsplatzes Sacharbeiter verwaltung 10.476 Euro
- Gemeinkosten Sacharbeiter Verwaltung 15.092 Euro
- Gemeinkosten notwendiges Personal 310.254 Euro
- Gemeinkosten zusätzlich notw. Personal 43.488 Euro
- GemeinkostenLeitung 16.342 Euro
- Gemeinkosten Multiplikator 5.408 Euro
- Gemeinkosten techn Kräfte 18.559 Euro

Bekam ich folgende Antwort:

"Hier werden die Gemeinkosten (z.B. durch anteilige Tätigkeiten des Personalrats, Lohnbuchhaltung,
o.ä. für den Kita-Bereich) gem. § 2 Abs. 1. o KitaBKNV dargestellt. Die Ermittlung der echten
Gemeinkosten ist nur mit Hilfe einer Kosten-Leistungsrechnung möglich. Da diese in der Verwaltung
der Gemeinde nicht vorliegt, wird sich den Werten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle fĂĽr
Verwaltungsmanagement bedient. Hierdurch werden nicht 100 % der tatsächlich entstehenden
Gemeinkosten abgebildet, sondern nur ein Bruchteil davon. FĂĽr den Nicht-BĂĽroarbeitsplatz werden
15 % Gemeinkosten von den Personalkosten AG-Brutto berechnet und fĂĽr einem BĂĽroarbeitsplatz
werden 20 % Gemeinkosten von den Personalkosten AG-Brutto in Ansatz gebracht. Die Sachkosten
des Arbeitsplatzes für den Sachbearbeiter der Verwaltung setzt sich aus 9.700 € für einen
Arbeitsplatz á 2 Mitarbeiter die zu 54 % von ihrer gesamten Arbeitszeit für den Bereich Kita zuständig
sind. Die Gemeinkosten fallen jährlich an."

Dennoch sind in der Kalkulation Positionen wie Drucker, Computer, Bürostühle ect mit aufgeführt und fließen über die Abschreibungen auch noch mit in die Elternbeiträge ein.

Ist dies dann nicht eine Doppeltberechnung?


GruĂź
Dirk Pehnert
Dateianhänge
IMP Beitragskalkulation + Beitragstabellen Am Mellensee Stand 2018-07.pdf
(1.42 MiB) 43-mal heruntergeladen

Benutzeravatar
Detlef Diskowski
Beiträge: 536
Registriert: 22.10.2015, 08:57

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge Gemeinkosten nach KGST ???

Beitragvon Detlef Diskowski » 31.07.2018, 09:41

Dirk Pehnert hat geschrieben:Leider weiterhin mit max Kosten Krippe 890 Euro

Guten Tag Herr Pehnert, zuerst eine Frage zum Verständnis:
Meinen Sie hier mit dem Begriff "Kosten", was die Bereitstellung eines Krippenplatzes kostet; also "Platzkosten";
oder meinen Sie die Kosten die Eltern fĂĽr die Betreuung entstehen, also den "Elternbeitrag"?
890€/Monat halte ich als Platzkosten für nachvollziehbar (vermutlich gehen hier die Plätze mit den kürzeren wie mit den längeren Betreuungszeiten ein); als Elternbeitrag schiene mir das völlig überzogen.
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

Dirk Pehnert
Beiträge: 15
Registriert: 28.03.2018, 11:12

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge

Beitragvon Dirk Pehnert » 31.07.2018, 09:48

Hallo Herr Diskowski,

die 890 Euro sind die max Elternbeitrag Krippe bei 12h Betreuung pro Tag und max Gehalt 60.000 Euro pro Jahr in der derzeit vorliegenden Kalkulation
die erechneten Platzkosten liegen bei 1374,65 Euro im Krippenbereich
nach Abzug der Zuschüsse liegen die max ansatzfähigen Kosten für den Elternbeitrag bei 589,392 Euro
MĂĽssten diese 589,392 Euro dann nicht auch anstelle der 890 Euro stehen?

Vielen Dank fĂĽr Ihre Zeit
GruĂź
Dirk Pehnert

Benutzeravatar
Detlef Diskowski
Beiträge: 536
Registriert: 22.10.2015, 08:57

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge Gemeinkosten nach KGST ???

Beitragvon Detlef Diskowski » 31.07.2018, 09:50

Dirk Pehnert hat geschrieben:Ist dies dann nicht eine Doppeltberechnung?

Worin sehen Sie die Doppelberechnung?

Ich möchte mich hier nicht zu den Einzelpositionen äußern, aber Eltern einen Perspektivwechsel nahelegen:
Stellen Sie sich vor, Sie betreiben als Elterninitiative eine Kita und investieren hier keine ehrenamtliche Arbeit, sondern jeder erforderliche Aufwand an Material und Arbeitskraft muss bezahlt werden. Welche Forderungen zur Finanzierung wĂĽrden Sie wohl erheben?
Von freien Trägern ist regelmäßig die Klage zu hören, dass ihr Verwaltungsaufwand und die erforderliche Ausstattung unterfinanziert wären. Es ist wohl doch ein ziemlicher Aufwand rund um eine Kita erforderlich, der sich in der konkreten pädagogischen Betreuung nicht direkt abbildet.
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

Dirk Pehnert
Beiträge: 15
Registriert: 28.03.2018, 11:12

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge

Beitragvon Dirk Pehnert » 31.07.2018, 09:55

Wenn keine Kostenleistungsrechnung gemacht werden kann, ist es sicher richtig dass ĂĽber die KGST Prozente als Pauschale gerechnet wird,
wenn dann jedoch tatsächliche Kosten für Drucker, Bürostühkle etc in die Kalkulation einfließen ist es doch doppelt, da diese bereits in der Pauschale enthalten sein sollten. oder sehe ich das falsch?

Benutzeravatar
Detlef Diskowski
Beiträge: 536
Registriert: 22.10.2015, 08:57

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge

Beitragvon Detlef Diskowski » 31.07.2018, 09:56

Dirk Pehnert hat geschrieben:die erechneten Platzkosten liegen bei 1374,65 Euro im Krippenbereich

Es würde mich interessieren, ob solche Platzkosten auch zur Grundlage für die der Finanzierung freier Träger genommen werden. Vielleicht könnten sich freie Träger hierzu mal äußern.

Dirk Pehnert hat geschrieben:nach Abzug der Zuschüsse liegen die max ansatzfähigen Kosten für den Elternbeitrag bei 589,392 Euro
MĂĽssten diese 589,392 Euro dann nicht auch anstelle der 890 Euro stehen?

Ja, das sollte eigentlich so sein. Gibt es eine Begründung für den 300€ höheren Elternbeitrag? (300€ höher als die Kosten, die der Gemeinde anscheinend entstehen)
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

Dirk Pehnert
Beiträge: 15
Registriert: 28.03.2018, 11:12

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge

Beitragvon Dirk Pehnert » 31.07.2018, 09:58

Leider gibt es keine Erklärung zu diesen 300 Euro Mehrkosten.

Freie Träger haben wir in unserer Gemeinde nicht.

Dirk Pehnert
Beiträge: 15
Registriert: 28.03.2018, 11:12

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge

Beitragvon Dirk Pehnert » 31.07.2018, 10:02

ich vermute dass die Gemeinde diese MAx Kosten fĂĽr den Elternbeitrag nur bei 6 oder 8h ansetzt und es dann auf die 12h hochhrechnet.
Wenn ich es jedoch richtig verstanden habe ist der max Betrag der betrag der bei maximalen Einkommen und maximaler Stundenzahl als Ausgangspunkt genommen werden muss.

Benutzeravatar
Detlef Diskowski
Beiträge: 536
Registriert: 22.10.2015, 08:57

Re: Berechnung Betriebskosten/ Elternbeiträge

Beitragvon Detlef Diskowski » 31.07.2018, 10:02

Dirk Pehnert hat geschrieben:Wenn keine Kostenleistungsrechnung gemacht werden kann, ist es sicher richtig dass ĂĽber die KGST Prozente als Pauschale gerechnet wird,
wenn dann jedoch tatsächliche Kosten für Drucker, Bürostühkle etc in die Kalkulation einfließen ist es doch doppelt, da diese bereits in der Pauschale enthalten sein sollten. oder sehe ich das falsch?

Dazu wäre erforderlich, die Zusammensetzung der Pauschale zu kennen; also enthält diese auch die sächliche Arbeitsplatzausstattung?
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski


Zurück zu „Recht und Struktur“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast