Pro Orientierungsrahmen

In diesem Forum kann die Frage diskutiert werden, ob es sinnvoll ist, einen gemeinsamen Orientierungsrahmen f√ľr die Bildung in Kindertagesbetreuung und Grundschule zu entwickeln. Wie wird die Frage der Verbindlichkeit eines solchen Rahmens eingesch√§tzt? Wie sollte die Verbindlichkeit hergestellt werden? ......

Moderatoren: Ulrike Klevenz, Bettina Stobbe, Detlef Diskowski, Susanne Scheib, rogerprott, Anna K. Ohm

ClaudiaSchiefelbein
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Pro Orientierungsrahmen

Beitragvon ClaudiaSchiefelbein » 31.05.2016, 12:25

Nach den Hortbausteinen einen Gemeinsamen Orientierungsrahmen zu entwickeln kann nur begr√ľ√üt werden. Ein gro√üer Dank an alle Initiator*innen und flei√üigen Schreiberlinge!

Aktuell pl√§dieren wir f√ľr einen Orientierungsrahmen und weniger f√ľr eine verbindliche Regelung. Zusammenarbeit - zumindest gute/enge Zusammenarbeit - hat sich bislang noch nie verordnen lassen. Wollen wir gelingende √úbergangsgestaltungen, dann braucht es Zeit - beide Systeme mit ihren Menschen - gleich ob in Leitungsverantwortung stehend oder nicht - m√ľssen damit wachsen. Qualit√§t (und f√ľr uns ist die √úbergangsgestaltung ein wichtiges Qualit√§tsmerkmal - muss entwickelt werden und braucht Zeit und √úberzeugung. Es ist schwer vorstellbar, dass eine verbindliche Verordnung sowohl kooperationswillige wie auch kooperationsunwillige Leitungskr√§fte als auch Tr√§gervertreter √ľberzeugt, mehr zeitliche Ressourcen und die Entwicklung von Knowhow in eine Zusammenarbeit zu stecken, die √ľber die Einhaltung bestimmter Formalia hinausgeht. Tr√§ger wie auch Leitungskr√§ften fehlt es im Zweifel weniger an der √úberzeugung, sondern vielmehr an der fehlenden Refinanzierung von Zeit f√ľr Leitungsfreistellung bzw. mittelbare p√§dagogische Arbeitszeit, die in die Zusammenarbeit von Hort und Schule investiert werden kann.

Mag sein, dass f√ľr diejenigen, die bisher schon eng miteinander kooperiert haben, dieser Orientierungsrahmen eher eine Best√§tigung und ggf. eine Unterst√ľtzung oder sogar noch einmal ein Aufzeigen von weiteren Sichtweisen und M√∂glichkeiten ist. Dieser Orientierungsrahmen (und so verstehe ich die Intention) regt aber sicher dazu auch alle anderen an, ihre Gestaltung von √úberg√§ngen unter die Lupe zu nehmen. Was es dann jedoch noch braucht, sind Hilfestellungen bei der Umsetzung von Kooperation z.B. Unterst√ľtzung bei der Frage wie ich zu einer gemeinsamen Leitidee und/oder einem gemeinsamen Bild vom Kind komme, durch weitere Handlungsans√§tze und Ans√§tze zu Verstetigungsm√∂glichkeiten oder gar auch moderierte gemeinsame Beratungen bei jenen, wo Zusammenarbeit sich schwierig gestaltet.

Gute Zusammenarbeit und gute √úbergangsgestaltung als verbindliches Qualit√§tsmerkmal (z.B. √ľber das KitaG und das Schulrecht) zu definieren und damit Hort und Schule entsprechend zu verpflichten, w√§re w√ľnschenswert, setzt aber auch voraus, dass alle, die es umsetzen sollen, tats√§chlich in die Lage versetzt werden.

Claudia Schiefelbein (f√ľr die AG Horte des AWO Landesverband Brandenburg e.V.)

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Detlef Diskowski
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Re: Pro Orientierungsrahmen

Beitragvon Detlef Diskowski » 31.05.2016, 18:27

Liebe Claudia Schiefelbein,
vielen Dank f√ľr die differenzierte Stellungnahme. Neben aller Zustimmung m√∂chte ich zwei Dinge zu bedenken geben:

1. Nicht jede Verbesserung der Kooperation braucht Zeit; manchmal braucht es nur die Anerkennung der Erziehungsleistung der Anderen und den gegenseitigen Respekt. Es wäre eine Falle, wenn solche Grundlagen professionellen Verhaltens (die eigentlich Selbstverständlichkeiten sein sollten) nur realisiert werden, wenn es mehr Zeit gäbe.

2. Sicherlich lässt sich Respekt nicht verordnen; aber Respektlosigkeit lässt sich vielleicht verbieten. Es schiene mir ein wichtiger Schritt zu sein, wenn Lehrkräfte wie auch ErzieherInnen sich gegenseitig auf bestimmte Grundsätze verpflichten können, weil diese einen Grad von Verbindlichkeit erlangt haben.
(Eine kleine Analogie: Auch im Stra√üenverkehr kann man r√ľcksichtsvolles Fahren nicht verordnen - aber man kann r√ľcksichtsloses Fahren sanktionieren. Das scheint mir auch n√∂tig, weil ich Angst h√§tte mit dem Auto unterwegs zu sein, wenn alle M√∂chtegern-Machos fahren wie sie es f√ľr richtig halten. Stimmt: Analogien sind immer schief ... aber irgendwie stimmen sie auch, oder?)
Es gr√ľ√üt freundlich
Detlef Diskowski

rogerprott
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Re: Pro Orientierungsrahmen

Beitragvon rogerprott » 08.06.2016, 16:37

Liebe Frau Schiefelbein, liebe Mitwirkende an der AWO-Hort-AG,
besten Dank f√ľr Ihre Beitr√§ge zum Forum, sehr vielf√§ltig, sehr ausf√ľhrlich und bisher -leider- einzigartig. Danke. Aus einem technischen Versehen heraus habe ich alles erst gestern zur Kenntnis genommen; das tut mir leid.
Ich möchte jetzt eher summarisch auf alles antworten, denn ins Detail gehen. Deshalb schreibe ich nur hier und nicht verteilt auf alle 9 Beiträge.
Mir scheint ein Orientierungsrahmen auch sinnvoller/einleuchtender als eine Vereinbarung oder sonstige Verpflichtung - das war die urspr√ľngliche Idee, deshalb habe ich den Auftrag angenommen. Nun muss mal geschaut werden, was draus wird. Weiterentwickelt kann das Papier immer noch werden, jetzt muss es erstmal in Kraft gesetzt werden. Bald.
Sie schlagen eine ver√§nderte reihenfolge der Qualit√§tsmerkmale vor. Das wird wohl eher nicht gehen, denn GOrBiKs II sollte einen hohen Wiedererkennungswert zu GOrBiKS I haben, auch in der Struktur. Obwohl ich also inhaltlich nachvollziehen kann, warum QM 2 vor QM 1 stehen sollte, halte ich es f√ľr eher schwierig, diese √Ąnderung zu vollziehen.
Bei all Ihren √ľbrigen Anmerkungen und Vorschl√§gen f√ľr Textverbesserungen kann ich Ihnen zusagen, dass ich gern bereit bin, Vorschl√§ge zu entwickeln und sie dem Ministerium zu √ľbermitteln, in der Hoffnung, dass die Passagen noch deutlicher ausdr√ľcken, was gemeint ist.

Abschlie√üend noch zwei Punkte, die eher weniger mit dem Text zu tun haben, sondern unabh√§ngig davon mehr Gegenstand einer Fachdiskussion sein k√∂nnten. Insofern antworte ich jetzt nicht als Autor (wie oben), vielmehr als beteiligter Fachkollege. Diese Punkte erscheinen mir als Widerspr√ľche, eignen sich somit wunderbar zur Debatte:
1. Sie wenden sich gegen die Formulierung, dass Erzieherinnen parteiisch f√ľr die Kinder arbeiten sollten, und bevorzugen "anwaltliches Handeln". Die Begr√ľndung ist, dass Erzieherinnen sonst zu wenig die Ziele und den Auftrag der Schule ber√ľcksichtigen k√∂nnten. In einer sp√§teren Anmerkung bef√ľrchten Sie allerdings, dass Erzieherinnen zu sehr als Erf√ľllungsgehilfe gesehen werden k√∂nnten. Ent oder weder? Bei Kindern kann die Schule weit ins Bewusstsein der Erzieherin r√ľcken, ansonsten muss sie eher davon abr√ľcken?
2. Sie begr√ľnden eine Schwierigkeit bei der (sinnvollen, wichtigen etc.) Portfolioarbeit, weil u.a. die Belastungen durch die offene Hortarbeit zugenommen haben, so dass wenig Zeit bleibt f√ľr die Portfolios. Dagegen m√∂chte ich den Sinn offenen Arbeitens setzen, n√§mlich Freir√§ume f√ľr Kinder UND Erzieherinnen zu schaffen, Schwerpunkte zu setzen und nicht die zerm√ľrbende, f√ľr alle Kinder das Gleiche gebietende Hortarbeit zu betreiben. Wenn demnach Portfolioarbeit gut gelingen kann, so h√∂re ich immer wieder, dann in den Rahmenbedingungen offener Arbeit.
Es ist schade, dass solche wichtigen inhaltlichen Kontroversen hier nur am Rande bearbeitet werden k√∂nnen. Und vielleicht sehe ich ja zwei Widerspr√ľche, die gar keine sind. Mir hat es trotzdem Gefallen, mich mit Ihrer Arbeit auseinander setzen zu k√∂nnen und daf√ľr dankt
Roger Prott

BUNTSTIFTE
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Die täglichen Übergänge

Beitragvon BUNTSTIFTE » 12.06.2016, 10:32

Uwe Steinkritzer-Leu / Vorsitzender der Unterarbeitsgruppe Hort der AG nach § 78 Kita / Potsdam
Ich habe GorBiKS II erst seit Mai 16 lesen können.
Wir werden in der Unterarbeitsgruppe Hort auch deshalb erst sp√§ter dar√ľber sprechen k√∂nnen bzw. Beitr√§ge eintragen k√∂nnen.

F√ľr mich ist der Entwurf eine Best√§tigung der Arbeit die wir (alle Kolleginnen und Kollegen aus den Horten der Stiftung SPI) leisten.
Hier werden z.B. die Wege zwischen den Horten und der Schule genauso wie die Wege nach Hause als kleine Übergänge tituliert.
Es sind die Wege- die die Kinder oft alleine ohne Erzieher oder Eltern zur√ľcklegen- unbeobachtet/nicht √ľberwacht- wo sie in Peers unterwegs sind.
Aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt im Leben der Kinder und ein Ort der Bildung.
Es sollte im Entwurfspapier auch eine Schnittstelle der Kinderg√§rten (nicht schulpflichtige Kinder) mit Horten( solche ohne nicht schulpflichtige Kinder) Ber√ľcksichtigung finden.
Aus meiner Sicht oft eine zus√§tzliche Herausforderung f√ľr Kinder die in die offenen Horte mit eigenem Standort wechseln.
Ich finde es ebenfalls wichtig, dass der Hort als Bildungsstandort gest√§rkt wird. Es liegt nat√ľrlich zuvorderst an den Erzieherinnen und Erziehern vor Ort- sich als Fachkr√§fte- (Lehrkr√§ften in den Schulen- ebenb√ľrtig) ‚Äď darzustellen.
Auch deshalb ist es wichtig und richtig, Kooperationszeiten die Lehrkr√§fte bekommen, den Erziehern, ebenfalls einzur√§umen. Letztendlich reden wir hier √ľber Geld!
Sicher, der Wille ‚Äď das Wollen der Fachkr√§fte an Horten und Schulen ist ausschlaggebend. Aber wenn die Lehrkr√§fte die Zeit bezahlt bekommen, die Erzieherinnen und Erzieher nicht, ist der Unterschied zementiert.
Zu den Hausarbeiten- hier sind die Horte nicht die verlängerten Arme der Schulen.
Hier im Entwurf schön aufgelistet- gefällt mir gut.
Immer läuft der Hort zur Schule - Schule verzahnt sich nicht mit dem Hort- der Hort verzahnt sich mit der Schule- oder verweigert sich.
Ja- wir geben Raum und M√∂glichkeit - ein Einhalten der Zeiten f√ľr die Hausaufgaben, f√ľr die unterschiedlichen Klassenstufen (sehr wichtig).
Eine Dokumentation der Erzieherinnen und Erzieher an die Lehrkr√§fte- damit diese wissen, beachten und r√ľckmelden k√∂nnen, was in den Horten l√§uft.
Das Herausstellen der Ruhezeiten und Entspannungszeiten- gefällt mir gut- und sollte argumentativ an die Eltern und Lehrkräfte herangetragen werden-
Das Ankn√ľpfen an die Ressourcen der Kinder ‚Äďwird hier noch einmal in Erinnerung gebracht.
Ganz wichtig- die Gleichwertigkeit der formalen / non-formalen und informellen Bildung.
Ich finde es ist ein Entwurf der unbedingt in den Einrichtungen und nat√ľrlich auch in den Schulen diskutiert werden muss.
Die Ans√§tze und Ausf√ľhrungen sind eine gute Grundlage
Uwe Steinkritzer-Leu


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